Es muss 'Klick' machen

Diese Aussage hat sicher jeder schon mal gehört. Es heißt einfach, dass man es einfach ein mal richtig verstanden haben muss, dann geht es viel leichter und gelingt besser. Gerade bei der Arbeit mit Pferden, ob jetzt beim Reiten oder der Bodenarbeit begegnet mir das sehr häufig.

Es stimmt sehr wohl. Wenn man einmal verstanden hat wie etwas geht, ich nehme mal als Beispiel Schenkelweichen, dann klappt es die nächsten Male besser. Auch wenn natürlich noch viel Übung vorausgesetzt wird. Dieser Klick kann vom Pferd und vom Reiter aus gehen, denn jeder muss es ein Mal richtig verstanden haben. Ich würde mal behaupten, dass bei allem, was man tut, man immer diesen Klick hat, mal mehr, mal weniger.

Bei der Bodenarbeit habe ich aber ganz andere Erfahrungen gemacht. Auch hier hat es mal bei mir klick gemacht, allerdings merke ich, dass einmal Klick mich kaum weiter bringt. Ich denke ich habe verstanden, wie genau ich mit meinem Winnie umgehen muss. Eine Zeit lang bekomme ich das auch bestätigt und es klappt alles super. Aber nach einiger Zeit passiert es uns immer, dass es irgendwie nicht weiter geht oder es sogar wieder schlechter klappt. Oft ist das ein Punkt, wo ich an mir zweifel und mich über Winnie ärgere, weil er wieder auf Durchzug schaltet oder sogar wieder schnappt. Das ist auch der Punkt, an dem ich unfair zu ihm werde, gebe ich offen zu. Immer wieder sehe ich mich nach Lösungen um und oft finde ich auch etwas.

2014 zum Beispiel war die Situation mit Winnie so schlimm, dass ich keine drei Meter mit ihm laufen konnte, ohne dass seine Zähne in meiner Jacke hingen. Ich fing dann mit meiner Trainerin an mir den Respekt zu erarbeiten (erstes Mal klick). Es hat von da an auch alles viel besser geklappt, aber natürlich nicht unendlich. Bei mir kam immer mehr der Wunsch auf auch Freiarbeit machen zu können. Ein Kurs im Sommer 2015 hat mich dabei einen großen Schritt weiter gebracht. die andere Trainerin hatte andere Ansichten und konnte und auch andere Lösungen bieten. Kurze Zeit später (einen Monat vielleicht) konnte ich mit Winnie tatsächlich frei arbeiten. Nach einigen erfolgreichen Wochen wurde es aber wieder schlechter, er machte weniger mit und frei klappte gar nichts mehr.

So wechseln sich gute und schlechte Phasen ab und in jeder schlechten Phase brauche ich ein neuen Klick und etwas Neues, was uns da raus holt. Man verfällt sehr schnell in alte Muster zurück und braucht deshalb einfach manchmal verschiedene Leute, die einen auf das Eine oder Andere wieder hinweisen. Oftmals weiß ich im Nachhinein gar nicht, was genau ich anders mache, aber es ist eben dieses Klick, bei dem ich mich einfach ganz anders verhalte. Und das macht, denke ich, den Unterschied.

Ich erzähle das gerade alles, weil ich gerade vor ca einer Stunde mit Winnie eine tolle Bodenarbeitseinheit hatte, obwohl die letzten Wochen bis Monate das wirklich wieder schwierig war. Ich habe mich gestern mit einer aus dem Stall unterhalten und sie hat mir einfach noch ein paar Hinweise gegeben, die ich eigentlich schon wusste. Gestern und heute bin ich aber an die Bodenarbeit nochmal ganz anders ran gegangen. Ich habe quasi bei 0 angefangen. Erstmal Respekt, vorwärts, rückwärts. Und voilá: Ich hatte ein super aufmerksames, liebes und untergeordnetes Pferd! Keine schlechte Miesepeterlaune, kein Drohen, kein Geschnappe (ok, bis auf 2x). Er konnte plötzlich aus dem Trab einwandfrei die Vollbremsung reinhauen, so dass er mich nicht überholt hat. Ich konnte ihn sogar an den Nüstern und am Maul streicheln ohne, dass er nach mir schnappt (auch wenn sowas mehr spielerisch ist - trotzdem aber respektlos!) Ich habe mich darüber total gefreut und hatte eben einfach das Bedürfnis das Mitzuteilen.

Dieses grausame Handybild ist von heute, aber ich finde dieser Blick zeigt so deutlich wie er respektvoll und untergeordnet (fast schon ein bisschen ... verwundert oder überrumpelt :D ) war

Das war es auch schon wieder :) Bis zum nächsten Gedankenquatsch :D

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